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Fischer statt Autobauer

Natürlich wollte Matthias Orth auch damals schon gerne Fischer werden. Gleich nachdem er den Schulabschluss in der Tasche hatte. Seit er ein kleiner Junge war, fuhr er mit dem Vater zum Fischen auf den Wieker Bodden und die Ostsee. Und schon damals liebte der Rüganer die Arbeit in und mit der Natur und das Gefühl von Freiheit. Mitte der 90er Jahre aber glaubte er nicht, mit der Fischerei sich und vielleicht noch eine Familie ernähren zu können. So entschied sich Matthias Orth für ein Studium. An der Stralsunder Hochschule ließ er sich zum Wirtschaftsingenieur ausbilden. Aber auch während seiner Zeit an der Uni blieben seine Gedanken bei der Fischerei. Und so schrieb der Fischerssohn seine Diplomarbeit über die Altersstruktur in der heimischen Fischerei.

Seinen ersten Arbeitsplatz fand Orth ohne Probleme beim Autobauer DaimlerChrysler. In einer wirtschaftlich bedeutenden wie zukunftsträchtigen Branche. Das Kontrastprogramm zur heimischen Küstenfischerei  aus der er stammte. So schien es jedenfalls. Bis zur ersten Entlassungswelle kurz nach der Jahrtausendwende. Der Konzern strukturierte um und junge Berufsanfänger wie Matthias Orth mussten zuerst gehen. Orth nahm seine Entlassung als Wink des Schicksals und wurde Fischer. Dafür musste er jedoch abermals die Schulbank drücken. Dieses Mal in der Fischereischule in Sassnitz. 2007 stieg er dann in den väterlichen Betrieb ein und setzt die Familientradition weiter fort. Immerhin ist er bereits die fünfte Generation. (Foto: Iwona Knorr)

 

Gemeinsam mit seinem Vater Peter Orth fährt er seitdem jeden Morgen zum Fischen. Ihre Fanggebiete sind je nach Saison der Wieker und der Breeger Bodden oder die Ostsee zwischen Rügen und Hiddensee. Ihre Fangmethoden sind traditionell und nachhaltig. Sie fischen mit Stellnetzen, Reusen und Langleinen - selektive wie passive Fangmethoden, die das Ökosystem nicht beeinträchtigen. Gegen Ende des Winters gehen Vater und Sohn vor allem auf Hering - früher einmal der Brotfisch der Fischer. Heute ist der Heringspreis so niedrig und die Quote so geschrumpft, dass der Erlös kaum die Kosten trägt. Denn nur einen kleinen Teil des sogenannten „Silber des Meeres“ können die Fischer direkt zu einem ordentlichen Preis vermarkten. Der große Teil des Fanges geht in die industrielle Verarbeitung. Die Orths verkaufen ihren Hering wie die meisten Rügener Fischer nach Sassnitz. Dort wurde vor einigen Jahren eine große, moderne Heringsverarbeitung errichtet.

Dabei macht Matthias Orth die Direktvermarktung wirklich Freude. Nicht nur weil der Preis stimmt und das für beide Seiten, den Fischer und den Fischkunden. Der junge Fischer mag den persönlichen Kontakt zu den Menschen, die seinen Fisch genießen. Verkauft wird der frische Fisch direkt ab Kutter und einmal in der Woche auch an Land aus einem Verkaufswagen. Dann haben die Orths neben dem Frischfisch selbst geräucherte Ware mit dabei. Der Fisch wird küchenfertig angeboten. Gerne gibt Matthias Orth auch noch ein Rezept mit auf den Weg. Einer seiner Favoriten im Frühjahr ist Hornfisch mit Rhabarberkompott, eine traditionelle Mecklenburger Spezialität. Dabei wird der Hornfisch am Stück gebraten. Wer mit den Gräten Schwierigkeiten hat, dem empfiehlt Matthias Orth das Schwanzstück. Morgens zum Kutter kommen nicht nur Stammkunden. „Viele Urlauber wissen gar nicht, wie wirklich frischer Fisch schmeckt“, erzählt Matthias Orth. „Aber wenn sie ihn probiert haben, kommen die Kunden oft gleich am nächsten Tag wieder“. Und einen netten Schnack mit dem jungen und dem alten Fischer gibt es natürlich gratis dazu. Auch die Restaurants, die einen Teil des Fischs abnehmen, können sich über küchenfertige Ware freuen, die die Orths zudem anliefern. Trotzdem verlieren die Fischer immer mal wieder einen gastronomischen Kunden. Manchen Köchen wird der stetig wachsende bürokratische Aufwand zu viel, den die Anlieferung direkt vom Fischer mit sich bringt. So kaufen sie dann den Fisch lieber zusammen mit allen anderen Zutaten auf einem einzigen Lieferschein im Großhandel.


Positiv in die ZukunftNichtsdestotrotz vermarkten Matthias und Peter Orth abgesehen vom Hering immerhin schon die Hälfte ihres Fisches direkt. Tendenz steigend. In die Zukunft blickt Matthias Orth, der in diesem Jahr sein Patent gemacht hat, mit positiven Gefühlen. „Sollten wir einmal weniger Fisch fangen oder sollten die Preise noch weiter sinken, müssen wir eben noch mehr selbst vermarkten“, erklärt er gelassen. Auch denkt Matthias Orth mehr Fisch in Eigenregie weiterzuverarbeiten. Die Zukunft des Fischereibetriebes liegt jetzt in seinen Händen. Sein Vater ist heute bei ihm angestellt.

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26. August Regatta der Krabbenkutter, Neuharlingersiel

24. September - 1. Oktober, Müritzfischtage, Müritzregion

14. - 15. Oktober, Husumer Krabbentage, Husum

3. - 5. November, Fisch und Feines, Bremen

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